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Eine Zuckertüte für Minister Wöller

Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 21. Juli 2010

Hof: Politiker der Region fordern Reform des Schulgesetzes / Frank Kupfer: "Müßige Diskussion"

Von christian kunze

Hof. Politisches Schwergewicht auf dem Schulhof: Regionale Vertreter von CDU, FDP, SPD und Die Linke sowie Vertreter der Freien Wähler äußerten sich zur jüngsten Montagsdemonstration an der Schlossschule zum Mitwirkungsentzug für die Einrichtung (wir berichteten).

Unverständnis und Buhrufe aus den Reihen der Demonstrationsteilnehmer erntete Landtagsabgeordneter und Minister für Umwelt und Landwirtschaft Frank Kupfer (CDU). "Die Diskussion um den Erhalt der 1. Klasse in Hof ist müßig", erklärte er nüchtern. Der Bürgermeister und die Mitglieder des Gemeinderates wüssten nicht erst seit gestern um die Situation der Schülerzahlen für die Gemeinde, so Kupfer weiter. Zum Stichtag im März habe es elf Anmeldungen gegeben - und die seien für Bildungsagentur und Kultus bindend, so Kupfer.

 

Diese Worte erzürnten nicht nur die Demonstranten, sondern auch Andrea Schreiber von der Elterninitiative der künftigen Erstklässler in Hof. Sie überreichte Kupfer symbolisch eine Zuckertüte mit der Bitte, diese an Kultusminister Roland Wöller zu übergeben. Gesammelt sind darin Argumente für den Erhalt der 1. Klasse und gegen die Beförderung der Schüler nach Oschatz und den Weg zur dortigen Grundschule Magister Hering. "Wenn es in Hof nicht 15 Schüler gäbe sondern elf, dann stünden wir nicht jeden Montag hier", sagte sie an Kupfer gewandt.

Naundorfs Bürgermeister Michael Reinhardt wies die Kritik Kupfers zurück. "Die Bildungsagentur Leipzig wähnte uns bisher stets in Sicherheit. Ausnahmegenehmigungen hat es gegeben. In den kommenden Jahren sind unsere Schülerzahlen stabil. Weiterhin ist eine Kooperation mit Oschatz in Vorbereitung, um Schüler aus dem Randgebiet zur Gemeinde aufzunehmen", sagte er. Vor sechs oder sieben Jahren gesicherte Schülerzahlen seien zudem durch Wegzüge oder Ummeldungen an freie Schulen verändert worden.

Die Kreisvorsitzende der SPD Nordsachsen Ursula Fritzsche und Frank Hesse vom Kreisvorstand der FDP sprachen sich neben einer Ausnahmegenehmigung für die Hofer Grundschule auch dafür aus, parteiübergreifend und zukunftsorientiert am Schulgesetz in Sachsen zu rütteln. "Es wird Zeit, dass sich die Landesregierung dem Volk anpasst, dass sie regiert und nicht umgekehrt. Von den Bürgern wird Flexibilität bei der Betreuung ihrer Kinder verlangt, im Gegenzug rücken Beamte und Abgeordnete kein Stück von ihren Regularien ab", erklärte Hesse. Ursula Fritzsche erinnerte Frank Kupfer an seine Tätigkeit als gewählter Vertreter im Sächsischen Landtag. "Das sind die Menschen aus Ihrem Wahlkreis, die vor Ihnen stehen. Setzen Sie sich dafür ein, dass in Dresden etwas getan wird, um die Regeln den Gegebenheiten im ländlichen Raum anzupassen", fand sie klare Worte.

Eindeutige Forderungen stellte Cornelia Falken. Die Leipzigerin ist bildungspolitische Sprecherin der Linken im Sächsischen Landtag. Die Grundschullehrerin appellierte an die CDU, von den Mitwirkungsentzügen, die ein Jahr nach der Landtagswahl wieder eingeführt wurden, abzugehen. "Die Entscheidung über die Klassenbildung muss wieder in kommunale Hand", so Falken.

Die Stärkung des ländlichen Raums könne nicht allein über Förderprogramme geschehen, monierte der Naundorfer Gemeinderat Hartwig Kübler (Freie Wähler Naundorf). Auch er habe sich von Frank Kupfer mehr Unterstützung im Kampf um die 1. Klasse erhofft. "Muss es erst so weit kommen, dass wir, die ländliche Bevölkerung als Minderheit angesehen werden, denen die Bildung einer Klasse mit zehn oder weniger Schülern genehmigt wird?"

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Bildung braucht Chancen

Von Heinz Grossnick

Die Rufe in Hof werden immer lauter, endlich das sächsische Schulgesetz zu ändern. Denn Gummiparagrafen machen es möglich, nach Belieben zu entscheiden. Während es für einige Schulen Ausnahmeregelungen gibt, wenn sie an Grundschulen die magische Zahl von 15 Schülern nicht erreichen, bleiben einige Politiker und Staatsdiener im Fall Hof stur. Da klingt es von Seiten der Staatsregierung wie Hohn, man wolle die Bildungschancen für alle verbessern oder den ländlichen Raum mit Hilfe von Förderprogrammen stärken. Was vorn aufgebaut werden soll, wird hinten wieder abgerissen. Wofür den ländlichen Raum stärken, wenn bald kaum noch jemand hier wohnt? Schließen Schulen, verschwinden Einkaufsmöglichkeiten und gibt es obendrein auch keine Jobs, dann hat die Jugend hier keine Zukunft, wie die Abwanderungszahlen beweisen. Damit sägen sich die Verantwortlichen auch ihren eigenen Ast ab, auf dem sie noch sitzen.

© Zuckertüte für Minister..., Seite16

 

23.07.2010