FDP nominiert Horbas, Kriebel und Biedermann
Ein Delitzscher und zwei Oschatzer wollen für Nordsachsens Liberale in den Bundes- oder Landtag
Ausgabe Delitzsch - Eilenburg vom 29. Januar 2009
Eilenburg. Als Carsten Pommer am Dienstagabend kurz nach 19 Uhr den Kreisvorstand vor die Tür bat, schwante den Liberalen im kleinen Saal des Eilenburger Bürgerhauses nichts Gutes. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Wahlversammlung längst laufen. Doch die Nachricht, die Pommer erst an diesem Tag erreichte, verlangte kurzfristige Entscheidungen: Mike Eckenigk musste seine Bereitschaft, für den Bundestag zu kandidieren, zurückziehen. Der Grund: Der Löbnitzer arbeitet bei einer neuen Firma und wird von dieser ab Sommer, und damit in der heißen Phase des Wahlkampfes, für einige Monate nach Singapur entsandt. Was nun? Es habe im Vorfeld einige Interessenten gegeben, versicherte Pommer und präsentierte als Vorschlag des Kreisvorstandes einen neuen Namen: Rainer Horbas. Der Oschatzer Rechtsanwalt bekräftigte vor den Mitgliedern seine Bereitschaft, nannte aber auch eine entscheidende Bedingung: "Damit ich auch sicher sein kann, dass ich nicht nur zweite Wahl bin, hoffe ich auf ein klares Votum." Das bekam er. 24 nordsächsische Liberale stimmten für den 38-Jährigen, der auch Fraktionschef der FDP im Oschatzer Stadtrat ist, zwei enthielten sich der Stimme.
Für Eckenigk hingegen ist der Traum vom Bundestag erst einmal ausgeträumt. Er fühle sich hin- und hergerissen, bekannte der dreifache Vater. "Für mich wäre die Kandidatur eine große Herausforderung gewesen." Kommunalpolitisch tätig bleiben wolle er dennoch: Er tritt am 7. Juni als Kandidat für den Gemeinderat Löbnitz an. Keine Überraschung gabe es bei der Nominierung der Bewerber für die Landtagsposten. Oder eben doch. Bernd Biedermann (45), erst im Oktober von der DSU zur FDP gewechselt, erhielt für den Wahlkreis 33 Torgau-Oschatz, in dem Frank Kupfer (CDU) sowie voraussichtlich Liane Deicke (SPD) antreten, das Vertrauen seiner Parteifreunde. Der Mann aus Thalheim bei Oschatz rechnet mit Blick auf sein Ergebnis bei des Landratswahl 2008 (20,4 Prozent) durchaus Chancen aus. Im Wahlkreis 32 Delitzsch geht Stephan Kriebel ins Rennen. Der 38-Jährige wurde ebenfalls einstimmig bestätigt. Der Delitzscher Stadtverbandsvorsitzende bewarb sich in den Vorjahren um eine Reihe von politischen Ämtern - zuletzte wollte er Landrat werden, brachte es aber nur auf 6,6 Prozent der Stimmen. Zu Beginn hatte FDP-Landeschef Holger Zastrow, der extra für diesen Abend aus Dresden angereist war, den Nordsachsen die Richtung vorgegeben. "Ich will Rekordergebnisse sehen", fühlte sich Zastrow von den Spitzenergebnissen der Liberalen bei der jüngsten Hessen-Wahl angestachelt. Kathrin Kobelitz