FSV Oschatz lehnt Fußballspiel bei Roter Stern Leipzig ab
Dazu erklärt Bernd Biedermann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP- Fraktion im Kreistag Nordsachsen und FDP- Stadtrat der Großen Kreisstadt Oschatz, nach einem Beitrag in der Leipziger Volkszeitung vom 28. Mai 2010, in einer Pressemitteilung:
Ich möchte mich ganz herzlich bei der 1. Männermannschaft des FSV Oschatz für ihre couragierte Entscheidung, trotz Anfahrt bei Roter Stern Leipzig nicht anzutreten, bedanken. Der Verein Roter Stern Leipzig hat den Bogen überspannt. Er spielt sich unter dem Vorwand der Toleranz mittlerweile zum Richter auf. Dabei muss er zunächst einmal sein eigenes Toleranzverhältnis überprüfen. Toleranz ist keine Einbahnstraße. Da wird auf fremden Sportplätzen mit Sprechchören provoziert und beleidigt. Die Vorfälle von Brandis waren und sind in keiner Weise hinnehmbar, sie berechtigen jedoch nicht die Zuschauer anderer Vereine permanent zu attackieren und letztendlich Gegenreaktionen zu provozieren. Wir brauchen auf unseren Fußballplätzen weder links- noch rechtextreme pseudopolitische Gewalttouristen. Ich hoffe nur, dass das Schiedsgericht die Standhaftigkeit des FSV Oschatz gegen Willkür nicht noch bestraft.
Roter Stern lässt vermeintlichen "Rechtsaußen" nicht aufs Feld
Leipziger Volkszeitung vom 28. Mai. 2010
Oschatzer Bezirksklasse-Fußballer treten nicht an, weil einem ihrer Spieler der Zugang auf den Sportplatz verweigert wird
Leipzig. Roter Stern Leipzig kommt einfach nicht zur Ruhe. Die Bezirksklasse-Fußballer sollten und wollten am Mittwochabend eigentlich ihr Nachholpunktspiel gegen den FSV Oschatz austragen. Dazu kam es nicht, weil die Gäste zwar anreisten, aber schließlich nicht antraten. Grund dafür war wiederum, dass die Leipziger unter den Oschatzer Spielern einen Rechtsextremen (Name ist der Redaktion bekannt) ausgemacht haben wollten und ihm deshalb per Hausrecht den Zutritt zum Sportplatz verwehrten.
Bereits im Vorfeld der Partie hatte die Vereinsführung von Roter Stern die Gäste über den beabsichtigten Ausschluss des betreffenden Akteurs informiert und sich auf die Spielordnung des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) berufen. Die Oschatzer wandten sich daraufhin an den Präsidenten des - zuständigen - Leipziger Fußball-Verbandes (LFV), Rainer Hertle. Der erteilte dem Vorhaben der Leipziger eine Abfuhr. "Ich habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine willkürliche, unzulässige Ausübung des Hausrechts wäre", sagt Hertle.
Sophia Bormann, die Präsidentin der Roten Sterne, blieb am Mittwoch jedoch bei ihrer Auffassung. Trainer Thomas Knopf, der erst einen Tag vor dem Spieltermin über den Streit informiert wurde, wäre es allerdings lieber gewesen, "man hätte Antworten auf rechtsextremes Verhalten auf dem Platz geben können", so der Coach.
Doch dazu kam es eben nicht. Die Oschatzer hatten den vermeintlichen Nazi schließlich doch im Aufgebot. "Uns ist auch nicht bekannt, dass der 23-Jährige zu der vom Roten Stern beschriebenen Szene gehören würde, der Junge hat sich in meinem Beisein nie in diese Richtung geäußert", begründete FSV-Vereinschef Helmut Hennig. "Er selbst bestreitet ebenfalls, zu den Rechten zu gehören." Als dem Oschatzer Spieler der Zutritt zum RSL-Gelände am Mittwoch dennoch verwehrt wurde, versuchte Hennig im Gespräch mit Sophia Bormann nochmals eine Einigung zu erzielen. "Wir haben uns ruhig und normal unterhalten, aber in der Sache kamen wir nicht überein", so Hennig. Danach beriet sich der Oschatzer Mannschaftsrat und beschloss, nicht ohne den Mitspieler anzutreten. "Unsere Personalsituation war sowieso schon angespannt, da wollten wir nicht auf einen wichtigen Spieler verzichten, wo wir jeden Punkt im Abstiegskampf brauchen", betont der FSV-Chef.
Der Betroffene selbst überlege, ob er gegen die auch im Internet erhobenen Anschuldigungen juristisch vorgeht. Dagegen wähnt sich die Vereinsführung der Leipziger im Einklang mit Vorgaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Wir sehen uns in der Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung im Fußball mit DFB-Präsident Theo Zwanziger auf einer Linie", sagte die RSL-Chefin. Frank Müller © Standpunkt
Standpunkt
Übers Ziel hinausgeschossen
Von Winfried Wächter
Roter Stern hat oft den Finger in die Wunde gelegt. Brauner Ungeist im Leipziger Umland wurde durch den Verein zum öffentlichen Thema. Überfälle auf Spieler und Fans zeigten, wie ungelitten die Roten Sterne bei ihren Auswärtspartien deshalb oftmals sind. Sie haben sich Sympathien erworben und sind jetzt übers Ziel hinausgeschossen.
Einem gegnerischen Spieler mit dem Verweis auf dessen politische Gesinnung den Zutritt zum Gelände zu verweigern, geht zu weit. Parteipolitisch und weltanschaulich haben Vereine im Sächsischen Fußball-Verband laut Satzung neutral zu sein. Das heißt natürlich nicht, dass deren Vertreter zu politischen Vorgängen keine Meinung haben dürfen - Roter Stern wird das bestätigen. Wenn sie ihren Spielbetrieb allerdings davon abhängig machen, dass auf der Gegenseite alles seine politische Ordnung hat, erheben sie sich zum Richter über gesellschaftliche Vorgänge. Das kann nicht die Aufgabe eines Sportvereins sein, bei allem Verständnis dafür, nicht gegen Nazis spielen zu wollen.
@w.waechter@lvz.de