Gast erweist sich als Kenner alter Schriften
Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 17. Februar 2011
Sachsens Staatsminister für Justiz und Europa Dr. Jürgen Martens besucht Oschatz
Oschatz (GL). Können Sie versprechen, dass das Amtsgericht Oschatz im Zuge der Neustrukturierung eigenständig bleibt? Diese Frage stellte OAZ gestern Dr. Jürgen Martens (FDP), dem sächsischen Minister für Justiz und Europa, der Gast in der Großen Kreisstadt war. "Das Oschatzer Amtsgericht wird mit dem Torgauer zusammengelegt. Die Behörde bleibt in Oschatz, und somit ändert sich nichts für die Bürger", antwortete Martens.
Der Minister besuchte Oschatz und den Oberbürgermeister (OBM) Andreas Kretschmar (parteilos). Anwesend waren auch die FDP-Stadträte Bernd und Lutz Biedermann, Rainer Horbas und Uwe Joite. Grund für den Besuch war ein Gespräch mit dem OBM und genannten Stadträten. Unter anderem ging es um die "geplante Staatsmodernisierung", war aus der Tagesordnung zu entnehmen.
Danach wurden dem Minister Schätze der Stadt gezeigt, und zwar der historische Ratssaal und das Stadtarchiv. Ute Oehmichen von der Oschatz-Information sprach über die Historie des Ratssaales, der 1595 eingerichtet und seitdem zweimal "größer saniert" werden musste. Beeindruckt zeigte sich der Minister über die historische Decke. Dass das Stadtarchiv ein einmaliger Schatz ist, brauchte Archivarin Nicole Böttger nicht erst betonen.
Martens blätterte mit gebotener Vorsicht in einigen historischen Dokumenten und definierte die unterschiedlichen Schriften, die heute kaum noch entziffert werden können. Stolz präsentierte Kretschmar den aus dem Jahr 1382 stammenden Sachsenspiegel. "Das ist ein handschriftliches Gesetzeswerk", erklärte Nicole Böttger. Und bei den Akten seien Kämmereirechnungen aus dem Jahr 1477 die ältesten. Der Minister würdigte das Archiv und sagte, dass er keine zweite, so vollständige Sammlung historischer Schriften in einer Stadt kenne. Zur Erinnerung schenkte der OBM dem Minister eine abgespeckte Kopie des Sachsenspiegels.