Hesse neuer FDP-Chef in Nordsachsen
Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Delitzsch- Eilenburg vom 17. März 2010
Liberale wählen Vorstand / Alte Herren treten in den Hintergrund und machen Platz für junge Leute
Von Frank Pfütze
Nordsachsen/Eilenburg. Die Freie Demokratische Partei Nordsachsen hat einen neuen Kreisvorstand. Die 39 anwesenden Mitglieder wählten am Montagabend im Eilenburger Bürgerhaus Frank Hesse (38 Ja-Stimmen) mit nur einer Gegenstimme zum neuen Vorsitzenden. Ebenso überzeugend erhielten seine Stellvertreter Tobias Meier (37 Ja-Stimmen) und Tobias Grundmann (38 Ja-Stimmen) das Vertrauen. Mit 34 Stimmen wurde Frank Zimmer als Schatzmeister bestätigt.
Auf ihrem eher unspektakulär verlaufenem Kreisparteitag begrüßten die Liberalen Landes-Partei-Chef Holger Zastrow.
Die erste Wahl des Abends gewann der amtierende Partei-Vize Friedhelm Kuschel, der als Versammlungsleiter bestätigt wurde. Die erste Rede war Sachsen-FDP-Chef Holger Zastrow vorbehalten. Der vor allem eine Botschaft aus Dresden mitbrachte: „Seit dem Wahlsieg ist alles anders. Das politische Leben hat sich radikal geändert“. Erstmals sei die FDP in eine Regierung gewählt worden, in der es nichts mehr zu verteilen gibt. Aber, Sachsen sei nicht pleite. Egal, ob gute oder schlechte Zeiten, dem Staat reiche das Geld nie. Zastrow sei vor allem stolz. „Der Koalitionsvertrag trägt wie kein anderer in Deutschland die Handschrift der FDP. Ich bin stolz darauf, weil er zeigt, dass wir miteinander wollen und können“, so der Parteichef. Ziel seien dauerhafte Strukturen. Und dafür sei die FDP bereit, alles auf den Prüfstand zu stellen.
Den Bericht des Vorstandes präsentierte im Anschluss der zweite Stellvertreter Bernd Biedermann. Und der dankte Carsten Pommer und sprach ihm für die geleistete Arbeit bei der Zusammenführung der beiden Kreisverbände „aufrichtigen Dank“ aus. Pommer ist Arzt und war aus beruflichen Gründen zurückgetreten.
Biedermann blickte auf arbeitsintensive Monate seit dem Fusionsparteitag am 21. November 2008 zurück. Aber auch auf überwältigende Ergebnisse bei den Kommunalwahlen: Biedermann nannte Belgern (45,2 Prozent), Beilrode (39,2), Mügeln (33,2) und Oschatz (22,2). Taucha, Bad Düben, Wermsdorf und Cavertitz sind inzwischen blau-gelb gefärbt. In Delitzsch und anderen Gemeinden konnten die Liberalen ihre Sitze stabil halten. Eilenburg ist ein „weißer Fleck“. Insgesamt stellt die Partei 48 Stadt- und Gemeinderäte. „In den Kommunen haben unsere gewählten Abgeordneten sofort nach den Wahlen Profil gezeigt und vielfältige Aktivitäten angestoßen. Wir sind als Kreisverband zusammengewachsen, kennen uns und planen die Zukunft gemeinsam“, so Biedermann.
Es folgte der eigentliche Höhepunkt des Abends, die Wahlen. Schnörkellos und überzeugend gingen die Vorschläge des Vorstandes durch. Der neue Parteichef Frank Hesse ist seit 2007 Mitglied und Gemeinderat in Cavertitz. Hesse hat eine dreijährige Tochter und arbeitet als selbstständiger Finanzberater für die Deutsche Bank in Eilenburg. Als bisher größten politischen Erfolg nannte er die Massenpedition gegen den geplanten Granitabbau in Liebschützberg, die er mit auf den Weg gebracht hat.
Tobias Meier ist Marketingleiter beim Leipzig-Fernsehen und gehört dem Tauchaer Ortsverband seit 1.Januar 2009 an. Meier engagiert sich zudem im Kunst- und Kulturverein Taucha und im Heimatverein. Tobias Grundmann (21) möchte nach seiner freiberuflichen Tätigkeit als Nachhilfelehrer im Oktober ein Studium (Chemie-Ingenieurwesen) beginnen.
Nach gut zwei Stunden gehörte dem neuen Partei-Vorsitzenden das Schlusswort: „Wir wollen aktiv Politik mitgestalten. In den vergangenen Jahren waren wir definitiv zu ruhig. Das wird sich ändern. Sie werden von uns hören, Herr Zastrow.“
Der Kreisverband Nordsachsen zählt 153 Mitglieder.
Kreis-Vorstand
Vorsitzender: Frank Hesse (Cavertitz);
1. Stellvertreter: Tobias Meier (Taucha);
2. Stellvertreter: Tobias Grundmann (Belgern);
Schatzmeister: Frank Zimmer (Mügeln);
Beisitzer: Axel Finke (Sornzig-Ablaß), Thomas Kabelitz (Taucha), Rainer Horbas (Oschatz), Raik Zenger (Bad Düben), Stephan Kriebel (Delitzsch), Bernd Gasch (Dreiheide), Hendrik Milverstedt (Eilenburg), Claudio Stöber (Torgau), Michael Andres (Schkeuditz), Gerlinde Menzel (Delitzsch).
drei fragen an …
… Frank Hesse
Was möchten Sie als Kreisvorsitzender mit der FDP erreichen?
Vor allem Gehör in der Landespolitik finden, mit Blick auf unsere Probleme. Ich denke da unter anderem an die Kreisfinanzen, an den Ausbau der Infrastruktur und die Schulnetzplanung. So befürworten wir beispielsweise den Bau der Bundesstraßen 6 und 87 neu. Über die Trassen ist zu reden. Wir wollen aber auch die Schulen auf dem Land erhalten.
Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
In der Koordinierung der Ortsverbände, der Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Ich sehe unseren Kreisverband aber auch als Schnittstelle zwischen Bürgern und großer Politik. Wir sind die Basis und ich bin somit für die Basisarbeit verantwortlich. Das heißt, dass ich mich auch als Bindeglied zu unseren Parteifreunden im Land und im Bund verstehe.
Welche politischen Ambitionen haben Sie?
Ich möchte jetzt den Kreisverband vernünftig organisieren. Es liegt natürlich nahe, dass ein Kreisvorsitzender bei Wahlen kandidiert. Aber so weit sind wir noch nicht. In drei Jahren sind Bundestags-, in vier Jahren Landtags- und in fünf Jahren Bürgermeisterwahlen. Jetzt geht es aber erst einmal um eine ordentliche Arbeit vor Ort. Interview: Frank Pfütze
standpunkt
Von Frank Pfütze
Konsequent ein Zeichen gesetzt
Die FDP setzt konsequent eine Verjüngungskur um. Die Liberalen kramen keinen über 60-Jährigen vor, um ihn an die Spitze ihres Kreisvorstandes zu stellen. Routine und Erfahrung sind wichtig. Wer Wahlen gewinnen und Kommunalpolitik mitbestimmen will, muss sich darauf auch altersmäßig einstellen, der Jugend eine Chance einräumen. Auch, um diese Zielgruppe überhaupt zu erreichen. Das tut die FDP mit einem 32-jährigen Vorsitzenden und seinen 31- und 21-jährigen Stellvertretern. Die Altherren-Riege tritt komplett in den Hintergrund, ohne zu verschwinden. Respekt. Denn die Biedermänner, Kuschel und Co. treten nicht völlig von der Bildfläche ab. Sie stellen ihr Potenzial weiter zur Verfügung, stehen hinter und neben ihrem Nachwuchs, sitzen (noch) im Kreistag. Es geht auch anders: SPD-Hoffnungsträger Jens Kabisch (25 Jahre) kriegt eine 62-jährige Partei-Veteranin vor die Nase gesetzt. In drei, vier und fünf Jahren finden die nächsten Wahlen statt. Dem Flaggschiff der nordsächsischen Sozialdemokraten ist bis dahin vor allem Gesundheit zu wünschen. Kabisch, der schon einen Bundestagswahlkampf hinter sich gebracht hat, kann einem leid tun. Wenn ihm die eigenen Genossen nicht einmal zutrauen, einen Kreisverband zu führen, was erwarten sie dann von den Wählerinnen und Wählern? Die FDP setzt auch Zeichen, ganz andere, nachvollziehbar und konsequent.
@f.pfuetze@lvz