"Ich setze auf Leute, die mitmachen"
Torgauer Zeitung vom 6. April 2010
von unserem Redakteur Sebastian Stöber
Nordsachsen (TZ/seb). Die Liberalen im Landkreis wollen es wissen: mit neuem Vorstand und neuem Vorsitzenden soll einiges anders werden. Die TZ unterhielt sich dazu mit dem neu gewählten FDP-Chef, Frank Hesse, aus Bucha. Nach dem Eilenburger Arzt Carsten Pommer ist er der zweite Parteivorsitzende, der den Liberalen in ganz Nordsachsen vorsteht.
TZ: Macht es aktuell noch Spaß, FDP-Mitglied zu sein?
Frank Hesse: Warum nicht? Seit den letzten Wahlen sind wir so stark, dass wir endlich gestalten können.
Ihre Partei wirft auf Bundes- und Landesebene nicht gerade ein optimales Bild.
Der Start war sicher nicht optimal. Vieles ist noch erklärungsbedürftig. Aber vor allem auf Landesebene schlägt sich die FDP nicht schlecht. Außerdem bin ich Banker, das hat mich in der letzten Zeit gegen Grundsatzkritik abgehärtet.
Nach Nordsachsen: Wo wird Ihre Arbeit im und am Kreisverband ansetzen?
Die Ziele sind klar. Wir brauchen eine vernünftige Struktur im Verband, um beispielsweise auf kommende Volksentscheide vorbereitet zu sein. Außerdem müssen wir den Generationswechsel vorantreiben.
Was ist an der momentanen Struktur unvernünftig?
Es fehlt eine vernünftige Kommunikation. Der Landkreis hat eine riesige Fläche. Aber die FDP in Schkeuditz weiß nicht, was die FDP in Oschatz beschäftigt. Das müssen wir ändern.
Wie?
Unsere Internetseite soll zu einer aktuellen Kommunikationsplattform ausgebaut werden. Gleichzeitig soll sie so aktuell gehalten werden, dass sie Interessierten viel Stoff bietet.
Zumindest im Torgauer Raum hatte man zuletzt nicht das Gefühl, dass die FDP viel mitzuteilen hätte.
Die FDP hatte in Nordsachsen zu lange keine Meinung. Mein Ziel ist es, die Ortsverbände zu aktivieren. Die Basis weiß am besten, welche Probleme es vor Ort gibt. Deshalb sollen die Ortsverbände künftig öfter ihre Meinung nach außen kommunizieren.
Was erwartet da die Nordsachsen beispielsweise?
Wie gesagt, wollen wir uns konkret den Problemen vor Ort widmen. Aber es gibt auch übergeordnete Fragen wie die dringend nötige B 87n oder B 6n oder auch die S 21. Doch alles steht und fällt mit der Basisarbeit. Hier muss es uns gelingen, das Vertrauen zu halten, das uns mit den letzten Wahlen gegeben wurde.
Die FDP steht in der hiesigen Region im Ruf, mit Namen und nicht mit Aktivität auf Stimmenfang zu gehen. Ist das auch Ihr Rezept?
Ich setze auf Leute, die mitmachen. Nach diesem Kriterium werden künftig auch unsere Listen aufgestellt. Lieber schicke ich drei Kandidaten ins Rennen, die richtig anpacken, als fünf, die nur Plätze füllen. Das werden die Wähler honorieren. Im Übrigen ist so auch unser Vorstand aufgebaut. Wir haben bewusst auf Proporz, ob nun regional oder nach Verdienst, verzichtet.
Wie viele Ihrer Mitglieder rechnen Sie zum aktiven Teil?
Von 150 sind es 30 bis 40.
Sie hatten den Vollzug des Generationswechsels als Ziel benannt. Die FDP hat einige verdienstvolle Mitglieder in ihren Reihen, um die es zuletzt ruhig geworden ist – in der hiesigen Region Dr. Müller oder die Ex-Bürgermeister Kuschel und Ryll zum Beispiel. Werden die aussortiert?
Nein. Sogar das Gegenteil ist der Fall. Sie sind froh, dass wieder einiges in Bewegung kommt und kaum zu bremsen. Für die Partei ist es wichtig, dass sie ihre Erfahrung einbringen.
Und mit welchen neuen Namen will die FDP in der Region punkten?
Unser Glück ist, dass die nächsten Wahlen nicht unmittelbar vor der Tür stehen. Wir können deshalb eine behutsame Personalpolitik betreiben und gezielt Personen aufbauen.
Geht das schon konkreter?
Die Ideen sind da. Aber wie gesagt, ist noch Zeit.
Welche Rolle spielen in den FDP-Personalplanungen die Biedermänner?
Das wird sich zeigen. Innerhalb der FDP Nordsachsen spielen sie auf jeden Fall eine wichtige Rolle und gestalten aktiv mit. In welcher Form sie das auch als Kandidaten tun werden, ist derzeit noch vollkommen offen.
Beide sind immer wieder für Überraschungen gut. Wie hilfreich ist das?
Zunächst einmal haben uns die Lutz und Bernd mitgerissen und gezeigt, was mit gesundem Aktionismus zu erreichen ist. Beide sind nicht so leicht zu entmutigen und das steckt an.
Ihr Vorgänger, Carsten Pommer, war nicht allzu lange im Amt. Wie viel Zeit geben Sie sich?
Carsten Pommer hat viel selbst gemacht, was ich jetzt im Vorstand auf mehreren Schultern verteilen kann. Er ist aus beruflichen Gründen zurückgetreten. Natürlich zählen nun erst mal die kommenden zwei Jahre, für die ich gewählt worden bin. Ich kann mir aber nichts vorstellen, was mich abhalten wird, das nächste Mal wieder anzutreten. Meine Pläne reichen jedenfalls weiter über diesen Zeitraum hinaus.
Zur Person:
Frank Hesse wurde am 30. März 1977 in Blankenburg im Harz geboren. Mit seinen Eltern zog er 1983 nach Bucha bei Dahlen. Frank Hesse lebt getrennt, hat eine Tochter (3) und arbeitet selbstständig für die Deutsche Bank. Mitglied der FDP ist er seit 2007, weil er sich nicht mehr länger nur aufregen, sondern etwas tun wollte. Seit 15. März ist Frank Hesse Vorsitzender der FDP Nordsachsen.