Jungbrunnen für Stadtrat
Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 9. Juni 2009
von frank hörügel
Oschatz. Am Tag nach der Stadtratswahl haben gestern die Spitzenkandidaten der Parteien und der Freien Wähler ein überwiegend positives Fazit zum Urnengang gezogen. Die Oschatzer Wähler haben am Sonntag dafür gesorgt, dass im neuen Stadtrat deutlich mehr jüngere Kommunalpolitiker als bisher sitzen.
FDP, Lutz Biedermann: „Unser Ergebnis ist gigantisch. Wir haben die Themen angesprochen, die wir schon immer besetzt haben: Schulpolitik, Wirtschaftsförderung und Abschaffung der Abwasser- und Straßenausbaubeiträge. Wenn uns andere Parteien Populismus vorwerfen, dann ist das Neid. Wir werden mit Jedem zusammenarbeiten, der ehrlich mit uns zusammenarbeiten will. Und zum NPD-Wahlergebnis: Die Wähler haben das so gewollt, das muss so akzeptiert werden.“
CDU, Christa Sirrenberg: „Wir haben einen Sitz verloren, das ist schade. Trotzdem bin ich sehr glücklich, dass wir so gut abgeschnitten haben. Wir haben im Wahlkampf niemanden belogen und den Wählern nichts vorgemacht, was nicht geht. Ich denke, dass der neue Stadtrat gute Entscheidungen für die Entwicklung von Oschatz treffen kann. Und ich bin froh, dass junge Leute in den Stadtrat gekommen sind. Dass es nun auch einen NPD-Stadtrat gibt, muss als demokratische Entscheidung akzeptiert werden. Ich bin aber froh, dass es nur einer ist.“
Die Linke, Janek Stieger: „Ich bin zufrieden mit dem Wahlausgang für unsere Partei. Wir haben zwar beim Stimmanteil etwas eingebüßt, aber unsere fünf Sitze behalten. Mein Bauchgefühl hatte mir gesagt, dass wir einen Sitz verlieren wegen der Unwägbarkeiten mit der Fusion von DSU mit FDP, mit drei SPD-Kandidaten und der NPD. Gut, dass das nicht so gekommen ist und wir mit Julia Zieger eine junge Kandidatin in den Stadtrat reinbekommen haben. Ich hoffe, dass es im neuen Stadtrat weiterhin eine sachpolitische Zusammenarbeit. Und ich bin gespannt, wie sich Herr Heller von der NPD im Stadtrat gibt.
Freie Wähler, Günter Staffe: „Wir sind mit einem neuen Team in den Wahlkampf gegangen, da unser bisheriger Spitzenkandidat Dieter Rädler leider aus beruflichen Gründen nicht mehr antreten konnte. Die beiden gewählten Vertreter der Freien Wähler Oschatz haben jedoch ihren Stimmanteil vervielfältigen können. Das werten wir als positives Ergebnis. Wir werden an die bisherige konstruktive Zusammenarbeit mit den anderen Parteien anknüpfen. Mit dem Einzelvertreter der NPD wird es – sofern möglich – eine sachlich-konstruktive Arbeit geben.“
SPD, Torsten Ackermann: „Unsere Vorbereitung auf die Kommunalwahl war deutlich besser als vor fünf Jahren, aber trotzdem nicht gut genug. Ich verstehe das Wahlergebnis als einen Kredit, den wir in den nächsten fünf Jahren an die Wähler zurückzahlen müssen und das auch tun werden. Schade finde ich, dass sich so viele Wähler vom Populismus der FDP haben reinlegen lassen. Und die Wahlbeteiligung hätte höher sein können, um die NPD im Stadtrat zu verhindern.“
Grüne, David Pfennig: „Ich hatte mir erhofft, dass es ein zweiter Grüner in den Stadtrat schafft. Warum das nicht geklappt hat, liegt aus meiner Sicht daran, dass wir nicht so populistisch wie andere agiert haben. Mit der Zusammensetzung des neuen Stadtrates bin ich ganz zufrieden. Den NPD-Stadtrat mal ausgenommen, sind das alles Leute, mit denen man gut zusammenarbeiten kann.