Kampf für Erhalt der Döllnitzbahn
Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 19. Februar 2011
Bürgermeisterkandidaten fordern Hilfe aus Dresden / Erste Kündigungen von Mitarbeitern im März
Von Heinz Großnick und Christian Kunze
Mügeln. Für die Döllnitzbahn ist es fünf Minuten vor zwölf. Denn wenn in den kommenden drei Monaten keine Finanzierungslösung gefunden wird, muss sie aufs Abstellgleis fahren. Mügelns Bürgermeisterkandidat Volkmar Winkler (SPD) rief seine beiden Mitbewerber Axel Finke (FDP) und Rico Winterlich (CDU) auf, politisch wirksam zu werden, um den Fortbestand zu sichern (wir berichteten gestern).
"Wir haben eine Petition ins Leben gerufen. Es geht darum, eine Finanzierung außerhalb des Zweckverbandes Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) über die Landesregierung in Dresden zu erreichen. Nur so besteht die Chance, die Bahn langfristig zu erhalten", erinnert Axel Finke an seine Initiative. Mittlerweile sei auf den Unterschriftenlisten bereits die 1000er Marke überschritten worden. "Die FDP Nordsachsen wird auf dem Landesparteitag im April einen Antrag mit dem Ziel einbringen, dass sich alle Landtagsabgeordneten für den Erhalt der Döllnitzbahn einsetzen", kündigt Finke weiter an. Er hofft, dass diese Richtlinie dann für die gesamte sächsische FDP beschlossen werde. Außerdem sei er ständig damit beschäftigt, per E-Mail und Anruf den entsprechenden Fachministern "auf den Nerv zu gehen". Finke kritisiert zudem die Entscheidung des ZVNL. "Alle anderen Zweckverbände haben die Kürzungen weiter gegeben, nur der Zweckverband Leipzig hat sich nicht darauf eingelassen und die Zuschüsse komplett gestrichen." Als Verantwortlichen sieht Finke dafür den Stimmführer von Leipzig Stadt Martin zur Nedden, der zugunsten der SPD-regierten Stadt Leipzig seinen Finger gehoben habe. "Ihm war die S-Bahn-Strecke Markleeberg-Leipzig wichtiger als unsere Döllnitzbahn", ist Finke sauer. Die Entscheidung zeige zudem, dass in die Stadt mehr investiert werde und die ländliche Region außen vor bleibe. Finke hofft, dass die Petition möglichst viele Menschen unterschreiben. "Wenn wir 10000 Unterschriften zusammenbekommen, dann haben wir auch ein gewichtiges Wort mitzureden", ist der Seelitzer überzeugt.
Der Mügelner CDU-Stadtrat Rico Winterlich kandidiert ebenfalls für den Posten des Bürgermeisters in der neuen Stadt Mügeln. Er möchte jetzt Kontakt zu den Verbandsmitgliedern und anderen CDU-Vertretern aufnehmen, um die Möglichkeiten auszuloten. "Der Weg muss nach Dresden führen", sagt Winterlich mit Blick auf das Versprechen der Landesregierung, die Schmalspurbahnen im Freistaat zu unterstützen. "Die Bahn muss erhalten bleiben, nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus touristischen Gründen", so Winterlich.
"Fünf vor zwölf ist noch geschmeichelt", sagt Lutz Haschke, Geschäftsführer der Döllnitzbahn GmbH, bezüglich der drohenden Einstellung des Zugverkehrs. Um den Betrieb fortzuführen, müssen dringend bestimmte Arbeiten vorgenommen werden. Wichtigste Vor- aussetzung sei die Kesselzwischenuntersuchung der Dampflok, da die Betriebserlaubnis andernfalls am 15. Mai ausläuft. Seit einem Vierteljahr sei wegen der ungeklärten Finanzlage die Aufarbeitung eines Personenwagens unterbrochen worden. Notwendige Arbeiten an der Infrastruktur wie die Reparatur von Brücken konnten ebenfalls nicht in Angriff genommen werden. "Wir müssen im März die ersten Kündigungen aussprechen, da einige Mitarbeiter aufgrund ihrer langjährigen Betriebszugehörigkeit längere Kündigungsfristen haben", so Haschke. Den Beschluss in Leipzig bezeichnet Haschke als bewusste Entscheidung gegen die Entwicklung im ländlichen Raum und sagt: "Den Leipzigern ist ihr Hemd näher als das der Oschatzer."