Leipzig rückt näher ran
Torgauer Zeitung vom 9. Dezember 2010
von Heike Liesaus
Eilenburg/Jesewitz (TZ). Acht Scheren zerschnitten das schwarz-rot-gelbe Band, das sich in der Nähe des Knotenpunktes zur B 107 über die neue Trasse spannte. Damit war der Weg frei für die Autos auf der Fortführung der Eilenburger B 87-Umgehung.
Die Arbeiten waren planmäßig gelaufen, die Strecke eigentlich schon seit einigen Tagen fertig. „Der Staatssekretär hatte nicht eher Zeit“, war von einem der Männer in den orangenen Jacken zu hören, die sich um die Absicherung der Freigabe kümmerten. Aber gestern schlug endlich die Stunde für offizielle Reden und jede Menge Dank. Der ging an den Bund, der das Geld gab: 5,3 Millionen Euro. An die Bahn auch: 2,3 Millionen Euro. Gut angelegtes Geld, erklärte Artur Stempel, der Konzernbevollmächtigte für Sachsen: „Es werden damit zwei Bahnübergänge beseitigt.“ Diese Kreuzungen zwischen Schiene und Straße stellten Hindernisse, gar Gefahrenpunkte dar. Ihr Bau würde gar nicht mehr genehmigt, der Rückbau gefördert.
Den Bürgern sei zu danken. Sie mussten die Belastungen der Bauzeit ertragen, so Staatssekretär Jan Mücke (FDP). Nicht nur das. Die Eilenburger gründeten eine extra Bürgerinitiative. So durfte Umgehungs-Aktivist Rolf Aster mit am schwarz-rot-goldenen Band stehen, stellvertretend für alle, die für die Verkehrsentlastung der Stadt gekämpft hatten, die zunächst mit der Freigabe der Umgehung vor sechs Jahren und nun mit der 3,4-Kilometer langen Fortführung Wirklichkeit wurde. „Das bringt eine deutliche Verkürzung der Fahrzeit zwischen Dresden nach Torgau“, so der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP). Für alle, die auf der Strecke Leipzig-Torgau unterwegs sind, verkürzt sich die bisherige Route um drei Kilometer. Wie viel Zeit spart das?
Der Jesewitzer Bürgermeister Ralf Tauchnitz (WG) hatte die Uhr im Blick, als sich der Autokorso gen Wölpern, wo die neue Fortführung auf die B 87 mündet, in Bewegung setzte: „Drei Minuten bei 60 km/h“, stellte er fest. Sonst seien von Jesewitz bis Eilenburg etwa zehn Minuten zu veranschlagen, „wenn kein langsamer Lkw vor einem fährt oder die Schranken nicht zu sind.“ Ähnlich schätzte Manfred Kolbe (CDU). „Aber es wird sich nun zeigen, dass für die nördliche Variante einer neuen B 87 nichts mehr spricht, weil der Verkehr über die S 4 nach Krostitz enorm abnehmen wird“, prophezeite der Bundestagsabgeordnete.
Das Projekt ist aber noch nicht abgeschlossen: Der Rückbau der Bahnübergänge an den Strecken Leipzig-Eilenburg und Halle-Guben sowie der alten Bundesstraße sowie die Errichtung der Brücke für Fußgänger und Radfahrer stehen in den kommenden Monaten an.