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Ohne neues Vertrauen

Delitzsch/Nordsachsen (TZ). Eigentlich hatte sich Nordsachsens FDP-Kreisvorsitzender mit einer klaren Agenda auf den Weg zum vorgezogenen Parteitag nach Delitzsch gemacht. Im Bürgerhaus sollte nichts weniger als der Vorstand neu gewählt werden. Eigentlich war ja noch Zeit bis zum turnusmäßigen Parteitag im Frühjahr. Doch weil ohnehin ein Ersatz für den unerwartet verstorbenen Schatzmeister gefunden werden musste, sollte auch gleich der Rest des Vorstands eine frische Portion Vertrauen von der Basis eingeflößt bekommen. So weit die Theorie. Die Praxis entwickelte sich etwas anders.


Denn es sollte auch noch die Kreissatzung geändert werden. Speziell die Finanzierung kommender Wahlkämpfe stand da im Mittelpunkt. „Das war ein Wunsch des Kreisvorsitzenden“, sagte dessen 1. Stellvertreter Tobias Meier, Chef des Tauchaer FDP-Ortsverbands, gestern der TZ. Und genauso, wie der Vorstand sich in dieser Sache nicht abschließend einig war, war es auch der Parteitag nicht. „Es sollte eine Anpassung an andere Kreisverbände sein“, so Meier, „aber wir sind noch nicht so weit.“


In den nächsten Jahren stehen Wahlen für das Amt des Landrats, für den Bundes- und den Landtag sowie Europawahlen an. All das kostet Geld, mehr Geld, als dem Kreisvorstand derzeit zur Verfügung steht. Deshalb sollten sich die Ortsverbände stärker einbringen. An dieser Stelle muss man wissen, dass die starken Ortsverbände der FDP im Altkreis Delitzsch konzentriert sind, Kreischef Frank Hesse aber aus Cavertitz bei Oschatz kommt. Jedenfalls formierte sich rund um die Satzungsänderung Widerstand von der Basis. Das Ergebnis: keine neue Satzung und keine Vorstandswahl. Stattdessen soll der aktuelle Vorstand seine Pläne der Basis näherbringen, strittige Punkte beseitigen und eine neue Vorlage in den turnusmäßigen Kreisparteitag im Frühjahr einbringen. Noch im November wird es einen ersten gemeinsamen Termin mit Kreisvorstand, Ortsverbandsvorsitzenden und -schatzmeistern geben, kündigte Tobias Meier an. Bernd Biedermann, der die zwei Stunden in Delitzsch miterlebte, ist sich sicher, dass es einen Kompromiss geben wird. „Es muss klar geregelt sein, wer welchen Wahlkampf finanziert und wer ihn betreibt. Nicht, dass am Ende die einen das Geld haben und die anderen die Arbeit.“ Gewählt wurde am Sonnabend dann aber doch noch. Gotthard Deuse, ehemals Bürgermeister von Mügeln, ist neuer Schatzmeister. Er setzte sich gegen Gerlinde Menzel durch, die frühere Schatzmeisterin des Kreisverbands Delitzsch. Frank Hesse war am Montag für die TZ nicht erreichbar.


Torgauer Zeitung, vom 1.11.2011, Sebastian Stöber

6.11.2011