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Stadtrat stellt Kreuzungsumbau in Frage

Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Delitzsch Eilenburg vom 19. Januar 2010


Hohe finanzielle Beteiligung der Stadt, aber in aktuellen Plänen Interessen Tauchas nicht genug berücksichtigt


Von jörg ter vehn

Taucha. Im Stadtrat regt sich Unmut gegen den geplanten Ausbau der B87-Kreuzung mitten in der Stadt. Tenor: Der Bau kostet viel und bringt wenig.

Wie berichtet, wollte das Straßenbauamt Leipzig den Bereich der B87 von der Einmündung der Portitzer Straße um die 90-Grad-Kurve herum bis zur Graßdorfer Straße ursprünglich ab Ende des Jahres umbauen. Im Vorfeld sind jedoch noch umfangreiche Leitungsverlegungen und Umbauten der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) nötig, die sich bis ins nächste Frühjahr ziehen werden – wenn die KWL angesichts ihrer aktuellen Finanzprobleme überhaupt noch Großinvestionen angehen können. Damit ist gleich mehrfach fraglich, wann gebaut wird. Inzwischen stellt der Stadtrat von Taucha das sogar in Frage. Wie jetzt bekannt wurde, lehnte der Verwaltungsausschuss vorige Woche den Bau unter den jetzigen Voraussetzungen einmütig ab und beauftragte Bürgermeister Holger Schirmbeck (SPD), die vielen offenen Fragen mit dem Straßenbauamt zu klären.

Hochgekocht war die Diskussion, als es im Finanzausschuss um den Etat für 2010 ging. Darin sind fast eine Million Euro als kommunaler Anteil an den B87-Kosten veranschlagt. Die Stadt müsse das Geld wahrscheinlich aufnehmen, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralph Nietzschmann. Aber ab wann gebaut wird, sei völlig unklar. Gewiss sei hingegen, dass der Kreuzungsumbau der Stadt eigentlich nichts bringe. Wenn die Stadt jedoch schon so viel Geld zahlen müsse, sollten auch ihre Interessen dabei berücksichtigt werden, findet er. „Warum nicht richtig Nägel mit Köpfen machen, das Eckhaus abreißen und an der Graßdorfer Straße einen Kreisverkehr errichten?“ fragt er.

„Für den Aufwand ist der zu erwartende Nutzen zu gering“, sagt Detlef Zaumseil von der Fraktion FDP/Grüne. Natürlich müsse an der Kreuzung etwas getan werden, da seien sich alle einig, so Zaumseil. „Aus Platzgründen würden aber nach den jetzigen Umbauplänen nicht mal Fuß- und Radwege getrennt“, ärgert er sich. „Was mit dem Ausbau vorgeschlagen wird, ist nicht das, was wir wollen“, fasst es Christof Heinzerling (SPD) zusammen. Auch die Diskussion um die B87n und eine eventuelle Verlegung der Bundesstraße müsse abgewartet werden, findet er. „In diesem Fall ist Nichtstun besser, als wenn wir jetzt viel Geld für wenig Effekt in die Hand nehmen – und später womöglich nichts mehr tun können“, so Heinzerling. Jürgen Ullrich von der Fraktion Die Linke war gestern nicht erreichbar.

Bürgermeister Holger Schirmbeck erinnert an die Verkehrsuntersuchung zur B87n, die trotz Neubau kaum Entlastungen für die alte B87 voraussagt. „Für das, was weiterhin auf dieser Straße an Verkehr liegt, ist das ein zu kleiner Wurf“, kritisiert er die Umbaupläne. Zumal die Ausgaben die Stadt an den Rand ihrer Belastbarkeit drängen würden. Gleichwohl sei laut Straßenbauamt die Ampelanlage zerschlissen, auch die Schleppkurve zu eng.

 

25.01.2010