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Tulaszewski will auf politische Bühne zurück

Leipziger Volkszeitung, Lokales Bad Düben vom 9. April 2009


 


Ex-Bürgermeister sucht Schulterschluss mit seiner Nachfolgerin


 


Von NICO FLIEGNER


 


Bad Düben. Ex-Bürgermeister Eckehard Tulaszewski kehrt zurück in die Politik.


Der 69-Jährige kandidiert für die FDP zur Kommunalwahl am 7. Juni und will „mehr Dynamik“ in den Stadtrat bringen.


In den vergangenen Monaten war es ruhig geworden um den jahrelang ersten Mann in der Kurstadt. Zuletzt trat er auf der Mitgliederversammlung des Sozialverbands VdK in Bad Düben öffentlich auf.


Da ahnte noch niemand, dass Tulaszewski bereits eifrig an seinem politischen Comeback bastelt.


Gemunkelt wurde zwischenzeitlich zwar schon oft, er werde wohl als Einzelkandidat für die Stadtratswahl antreten.


Doch verlässliche Aussagen dazu gab es nicht.



Gestern bestätigte Tulaszewski gegenüber der Kreiszeitung seine Kandidatur. „Ich werde zwar am 18. April 70 Jahre alt, aber ich fühle mich noch nicht zu alt, um politisch aktiv zu sein“, sagte er. Mit Interesse habe er die Stadtratsarbeit seit seinem Ausscheiden als Bürgermeister verfolgt.


Seine Beobachtung: „Der jetzige Stadtrat ist erstarrt. Er stellt kein geeignetes Gegengewicht zur Bürgermeisterin dar. Diesen Zustand wollen wir als FDP verändern. Da muss wieder mehr Dynamik rein.“


Tulaszewski, der mit so mancher umstrittenen Äußerung während seiner Zeit als Stadtchef und kurz danach für mittlere Erdbeben sorgte, zeigte sich äußerst sanftmütig. „Wenn wir in Fraktionsstärke in den Stadtrat kommen, wollen wir ganz sachlich arbeiten und nicht die Bürgermeisterin angreifen, sondern ihr helfen.“ Er habe den Eindruck, ihr würde ein „dynamischer Stadtrat ganz gut gefallen“. Dieser werde fruchtbringender sein als der jetzige, sagte er.


 



 

Aber nicht nur Tulaszewskis Kandidatur für die FDP ist eine Überraschung, sondern der Antritt der Liberalen zur Wahl. Nach der Wende erlebte der Ortsverband einen regelrechten Höhenflug.


Mit Wolfgang Apitzsch und vielen anderen alteingesessenen Bad Dübenern gestaltete dieser die Politik


in der Kommune mit. Dann wurde es immer ruhiger bis zum völligen Aus. Erst vor ein paar Jahren brachte sich die Partei wieder ins Gespräch. Bei der Bürgermeisterwahl konnte sich allerdings der Löbnitzer Mike Eckenigk, der den Ortsverband anführt, als Kandidat nicht durchsetzen. Mit dem Anlauf zur Kommunalwahl hoffen die Akteure, wieder politisch mitspielen zu können.


In einem Interview mit der Kreiszeitung sagte Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow, er würde sich wünschen, wenn der Ortsverband mit Leben erfüllt werde und Kandidaten für die Wahl stellt. Sein Wunsch scheint nun in Erfüllung zu gehen.


„Es ist alles sehr schnell gegangen“, sagte Carsten Pommer, Vorsitzender der FDP in Nordsachsen.


Erst am vergangenen Wochenende habe die Nominierung der Kandidaten für die Stadtratswahl in Bad Düben stattgefunden. Pommer zeigte sich selbst überrascht, dass sofort sechs Mitstreiter gefunden wurden. Neben Eckehard Tulaszewski kandidieren als Parteilose für die FDP Raik Zenger, Alina Meier, Harald Jentzsch, Hans-Jürgen Bock und Peter Svatek. Ziel der FDP ist es, in Fraktionsstärke in den Stadtrat einzuziehen. Tulaszewski schwebt ein Sitz im Bauausschuss vor, Zenger soll im Hauptausschuss „aufgebaut werden“, hieß es.


Hauptthema werde laut Tulaszewski die Wirtschaft sein, aber auch die Schulproblematik, sozial-schwache Familien und barrierefreie Wege für Senioren sowie die Gesundheitspolitik.


Das konkrete Programm will die FDP in den nächsten Tagen bekanntgeben. Tulaszewski:


„Es geht um ganz praktische Dinge. Ein Beispiel: Wir sind Kurstadt und nirgendwo auf den Ortseingangsschildern spielt das eine Rolle. Darüber muss man sprechen.“ Außerdem müsse die Stadt mehr auf Investoren zugehen, sagte er mit Blick auf Neuansiedlungen in der Torgauer Straße. Trotz Sanftmütigkeit und seiner Kandidatur, „um die Stadt voranzubringen“, zeigte er sich kämpferisch: „Notfalls werden wir aber auch den harten Clinch mit den Fraktionen nicht scheuen.“

15.04.2009